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Rallye-Reglement

Stand Mai 2008

Was ist die WRC?

Die Vorbereitungen für eine hart umkämpfte Saison beginnen schon Monate vor der ersten Rallye: Der Automobilverband FIA bestätigt die Streckenführungen, die Sonderprüfungen und die Zielorte der über den ganzen Globus verteilten Rallyes (2008: 15), und verschickt Kopien des offiziellen Vorschlags an die Hersteller.

Jede Rallye muss Eingewöhnungs- und Kennenlerntage (oder Auskundschaftung), einen Tag für technische Checks (oder Überprüfung) und drei Renntage beinhalten. Die Rallye ist in drei Etappen (=Tage) aufgeteilt und hat normalerweise zwischen 15 und 25 Sonderprüfungen.

Die Werksteams melden zwei oder drei Fahrzeuge, und treffen schon Wochen vor dem Start einer Rallye ein. Die World Rallye-Fahrzeuge sind gesetzt und starten entsprechend des aktuellen Punktestandes mit dem Weltmeisterschaftsführenden der Fahrerwertung zuerst. Oft nehmen bis zu 90 Fahrzeuge an einem Rennen teil - der Rest des Teilnehmerfeldes wird mit Junioren-WM-Fahrern (J-WRC; kleinere und schwächere Fahrzeuge für Nachwuchspiloten), oder der Produktionswagen-Weltmeisterschaft P-WRC sowie Privatteams aufgefüllt.

Die Auskundschaftung

Fahrer und Beifahrer studieren die Sonderprüfungen. Bei der Reconaissance vor dem Rallyestart fahren sie die Prüfungen in einem normalen Straßenfahrzeug (mit extra Sicherheitsausrüstung) ab. Zu diesem Zeitpunkt notiert sich der Co-Pilot alle neuralgischen Streckenpunkte.

Die Sonderprüfungen

Die einzelnen Sonderprüfungen sind die Wettbewerbsteile einer Rallye, in denen Pilot und Co-Pilot versuchen die Strecke so schnell als möglich zu bewältigen. Gefahren wird auf privaten oder öffentlichen Straßen, die während der Veranstaltung gesperrt sind.

Die Prüfungen sind über öffentliche Straßen miteinander verbunden, die man "Road Sections" nennt, und auf denen die Teilnehmer alle gängigen Verkehrsregeln einhalten müssen. An jedem Tag werden in etwa 400 Kilometer zurückgelegt - ein Drittel davon als Sonderprüfungen. Die Prüfungen können jede Länge zwischen fünf und 60 Kilometern haben und die Wagen werden auf die Zehntelsekunde zeitgestoppt.

Die Uhr

Hier siegt nicht, wer als Erster die Ziellinie überquert! WRC-Wagen fahren nicht direkt auf der Strecke gegeneinander, sondern gegen die Uhr. Die Fahrer starten in Ein- oder Zwei-Minuten-Intervallen und fahren auf Zeit. Ihre Zeiten werden von den FIA-Computern gemessen, überwacht und registriert. Wer unfallfrei durch eine Prüfung kommt, sieht seine Konkurrenten nur selten auf der Strecke. Sieger ist, wer am Ende am wenigsten Zeit für alle Sonderprüfungen zusammen benötigt hat.

Die Punkteverteilung

Alle Saisonergebnisse werden von der FIA aufgezeichnet und sowohl für die Fahrer als auch deren Teams mit Punkten bewertet. Der Sieger erhält dabei 10 Punkte, der Zweite 8, der Dritte 6, der Vierte 5, der Fünfte 4, der Sechste 3, der Siebte 2 und der Achte 1 Punkt. Hersteller können die Punkte ihrer Fahrer zusammenzählen. Für die Herstellerwertung können die beiden Fahrer punkten, die vorher von ihrem Team dafür nominiert wurden. Fährt ein nicht für Herstellerpunkte nominierter Pilot in die Punkteränge, bekommt er zwar Fahrerpunkte, für die Herstellerwertung punktet aber der außerhalb der Punkteränge bestplatzierte nominierte Pilot.

Die Zeitmessung

Der Ablauf einer Rallye obliegt einem genauen Zeitplan. Die Fahrer bekommen Zeitstrafen, wenn sie zu früh oder zu spät am Start sind. Dies gilt ebenso für die Ankunft oder Abfahrt an den Servicestellen. Bei "Zuspätkommern" werden pro verspäteter Minute zehn Sekunden aufgebrummt und auf die Gesamtzeit angerechnet. Fahrer, die sich 15 Minuten bei der Zeitnehmung verspäten, 30 Minuten beim Start oder 60 Minuten beim Rallyestart zu spät sind, können ausgeschlossen werden.

Die Servicestellen

Nachdem eine Serie von Sonderprüfungen absolviert ist, fahren die Fahrzeuge zu ihren Servicestellen im Servicepark und können dort unter Aufsicht innerhalb von 20 Minuten repariert werden. Am Ende eines Renntages dürfen die Technikcrews 45 Minuten an den Fahrzeugen arbeiten, bevor diese im so genannten "parc ferme" bis zum nächsten Morgen weggesperrt werden. Die Crews werden ebenfalls mit Zeitstrafen belegt, sollten sie die vorgeschriebenen Zeitfenster überschreiten.

Die World Rallye-Fahrzeuge

Die Wagen sehen Straßenautos von außen oft sehr ähnlich, aber unter der gewohnten Hülle sind 600.000 Euro an gehärtetem Stahl, Kohlefaser und Titanium gepaart mit der modernsten Technologie versteckt. Die zwei Liter Turbomotoren sorgen für über 300 PS. Jedes Fahrzeug hat ein Sechs-Gang-Getriebe und Allradantrieb. Die umfassenden Sicherheitsstandards inkludieren einen Überrollkäfig, der in den Wagen eingeschweißt wird und so Fahrer und Co-Pilot bei Unfällen schützt.

Die Wagen kommen einem bekannt vor, weil die FIA darauf besteht, dass jedes teilnehmende Fahrzeug von einem Serienwagen abstammt. Das heißt mindestens 25.000 Stück müssen von dem verwendeten Modell gebaut worden sein. Allerdings ist das auch schon das Ende der Gemeinsamkeiten!

Um einen Wagen Rallye-fit zu machen, wird das Fahrzeug bis in seine Einzelteile zerlegt. Nach mehreren 100 Arbeitsstunden wird daraus wieder ein Gerüst für ein World Rallye-Fahrzeug gefertigt, das zwei bis dreimal so stabil ist wie ein Serienfahrzeug, einen integrierten Überrollkäfig und rund 40 Meter Sicherheitsrohrgitter hat.

Der Wagen sieht von außen ursprünglich wie ein Serienfahrzeug aus, aber die Teams dürfen zur aerodynamischen Verbesserung vorne und hinten Flügel anbringen - der vordere Flügel verringert den Luftwiderstand, der hintere sorgt für mehr Anpressdruck. Der Einbau all dieser Technologie erfordert großen Zeitaufwand: Sechs Mechaniker müssen drei Wochen lang Tag und Nacht arbeiten, um ein World Rallye-Fahrzeug zu bauen.

Motoren und Reifen

Üblicherweise hat ein World Rallye-Fahrzeug sechs Vorwärtsgänge, die mit einer Wippe am Armaturenbrett - nicht mit einer herkömmlichen Schaltung - gewechselt werden. Es gibt zwar eine Kupplung, aber sie wird nur am Start verwendet. Die Fahrer betätigen die Schaltwippe und der Computer erledigt den Rest. Und das ist gut so, denn wenn man mit 200 km/h über eine Sonderprüfung jagt, zählt jede Zehntelsekunde Zeitersparnis. Einen Gang zu wechseln dauert in einem World Rallye Fahrzeug 50 Millisekunden, also rund zehnmal kürzer als in einem Serienauto.

Motor und Kraftübertragung

World Rallye-Fahrzeuge haben die gleichen 2-Liter-Motoren wie ihre Serienverwandten. Aber durch die Turbolader werden daraus Feuer speiende, Kilometer fressende Monster. Alle Wagen verfügen über Allradantrieb und haben mehr als dreimal so viel Kraft wie die originalen 100-PS-Motoren. Für schnelle Bremsmanöver wurden Kohlefaserbremsscheiben entwickelt, die einen größeren Durchmesser als die Reifen eines normalen Pkws haben und somit das Fahrzeug abrupt anhalten können.

Die Reifenwahl

Seit der Saison 2008 ist Pirelli alleiniger Ausrüster der Rallye-Weltmeisterschaft. Die Italiener produzieren verschiedene Typen von Pneus. Der Asphalt-Reifen, der eine Größe von 18 Zoll hat, hat den Namen "P-Zero", der 15 Zoll große Schotterreifen heißt "Scorpion" heißen und der Winterreifen "Sottozero". Der Winterreifen "Sottozero" ist - je nach den speziellen Anforderungen der Läufe - in verschiedenen Größen zu haben. Bei der Rallye Monte Carlo, die auf winterlichem Asphalt gefahren wird, kommt er in der Größe von 18 Zoll zum Einsatz. Für den tiefen Schnee bei der Rallye Schweden ist eine Größe von 16 Zoll vorgesehen.

Reifenreglement

Ab 2008 wird Pirelli alleiniger Reifenlieferant der WRC und nun hat die FIA die Regeln festgelegt, in deren Rahmen sich Pirelli und die Teams bewegen dürfen

Das Nachschneiden per Hand ist streng reglementiert. Es ist nur noch bei nassen Bedingungen für Asphaltreifen erlaubt, sonst überhaupt nicht. Systeme wie das "Mousse"-System, bei dem sich bei einem Schaden im Reifen ein Kunststoff ausbreitet, um Plattfüße zu verhindern, sind seit 2008 verboten.

Die Co-Piloten

Das Vertrauen zwischen Fahrer und Beifahrer ist grenzenlos. Würden Sie mit 150 Sachen über eine Kuppe in eine Nebelwand rasen, weil Ihr Beifahrer erklärt, es wäre sicher? Der Co-Pilot muss den Fahrer durch den Kurs leiten. An den Auskundschaftungstagen hat er (oder sie) ausführliche Notizen über gefährliche Kurven, Straßenbeläge, Steine oder andere potentielle Gefahren gemacht und kann nun die fahrbaren Geschwindigkeiten ansagen.

Er/sie sagt sie dem Fahrer während der Sonderprüfung an. Die Beifahrer sind die ungekrönten Helden der Rallye-Weltmeisterschaft. Während der Fahrer umjubelt wird, steht der Beifahrer an der Servicestelle und geht seine Notizen für den nächsten Tag durch. Aber er muss ebenso aufmerksam und engagiert sein, wie der Fahrer - ohne guten Co-Piloten kann auch der beste Fahrer wenig erreichen.

Der Servicepark

Nach einer harten Sonderprüfung kann man nicht vorhersagen, wie das Fahrzeug aussehen wird. Die Technikcrews warten im Servicepark und werden ständig über Funk informiert, ob der Wagen gut in Schuss ist oder ins Ziel "humpelt". In nur zwanzig Minuten müssen sie das Fahrzeug wieder fit bekommen.

Sobald der Wagen den Teambereich erreicht, beginnt die Uhr zu ticken. Jede Sekunde, die länger als die zugeschriebenen 20 Minuten benötigt wird, kostet Strafzeit und kann eine gut gefahrene Sonderprüfung zunichte machen. Die Crews müssen schnell, effizient, geschickt arbeiten und auch unter hohem Druck ruhig bleiben. Normalerweise werden die Wagen auf vier dreieckigen Ständern angehoben und von zwölf Technikexperten bearbeitet.

Ein Routinestop beinhaltet einen kompletten Rad- und Reifenwechsel, Flüssigkeitsnachfüllung und einen "Schraubenschlüssel-Check", der sicherstellt, dass jede Schraube trotz der Vibrationen fest sitzt. Die Daten auf der Silberbox (der Blackbox des World Rallye-Fahrzeugs) werden für eine rasche Analyse heruntergeladen. Der Stoßdämpfer und die Bodenabstandseinstellungen werden überprüft, und alle vier Bremsscheiben auf Abnützung getestet.

Zu guter Letzt werden die Fenster geputzt. Hat der Wagen einen Schaden erlitten, wie einen Schlag in die Karosserie, die Windschutzscheibe oder die Motorhaube, bzw. ist die Aufhängung beschädigt, haben die Techniker ein schwerwiegendes Problem. Rasch müssen einfache, aber geniale Lösungen gefunden werden, um den Wagen wieder renntauglich zu machen.

Die Choreographie der am und unter dem World Rallye-Fahrzeug werkenden Mechaniker ist ein beeindruckender Anblick, während die vorgeschriebenen 20 Minuten für die Techniker viel zu rasch vergehen. Unter der strengen Aufsicht des Crew-Chefs, der den Fortschritt misst, Problemstellen unter die Lupe nimmt und die Zeit im Auge behält, arbeitet die Crew fieberhaft und folgt seinem Herunterzählen der Minuten. Ein typisches World Rallye-Team besteht aus rund 40 Mitgliedern vor Ort und weiteren 60-100 Leuten in der Heimatfabrik.

 

 
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