Schumacher-Arzt: "Michael ist ein Ausnahmesportler"
Interview mit Johannes Peil, dem persönlichen Arzt von Michael Schumacher: "Michael hat seit Frühjahr 09 in der Frequenz wie früher trainiert"
(Motorsport-Total.com/SID) - Auf dem schnellsten Weg zurück ins Cockpit: Michael Schumacher hat bis zu seinem Comeback in Valencia ein Vollzeitprogramm mit komprimiertem Trainingsplan und ärztlichen Untersuchungen verordnet bekommen. Sein persönlicher Arzt, Dr. Johannes Peil, kündigte den Einsatz von gleich zwei Physiotherapeuten an.

© Sportklinik Bad Nauheim
Johannes Peil ist seit neun Jahren Michael Schumachers Arzt des Vertrauens
Der renommierte Chefarzt der Sportklinik Bad Nauheim, der Schumacher bereits seit neun Jahren betreut, hält seinen 40-jährigen Schützling nicht zu alt für die Formel 1 und glaubt an eine erfolgreiche Rückkehr des Rekordweltmeisters.#w1#
Gute Grundlagenfitness
Frage: "Dr. Peil, Michael Schumacher war fast drei Jahre nicht in der Formel 1 aktiv und ist bereits 40. Ist er nicht zu alt für das Comeback?"
Johannes Peil: "40 ist nicht gleich 40, auch wenn man manche Vorgaben des Alters nicht brechen kann. Wenn Michael Schumacher vor drei Jahren aufgehört hätte zu trainieren, hätten wir jetzt null Chancen. Wenn er nur Kinderwagen geschoben statt Kart gefahren wäre oder gesegelt wäre statt Physiotherapie zu machen, würde das Gleiche gelten."
"Aber er hat seit dem Rücktritt fast in der Frequenz wie früher und seit Frühjahr 09 in der Frequenz wie früher trainiert. Es war immer ein Physiotherapeut von uns bei ihm, auch im Urlaub. Die Leute haben sich immer alle zwei Wochen abgelöst. Wenn der eine zurückkam, ist der andere losgefahren und das Auto hatte noch einen warmen Motor."
Frage: "Ist Michael Schumacher so fit wie bei seinem Rücktritt 2006?"
Peil: "Ganz allgemein ist seine Fitness natürlich nicht mit 2006 vergleichbar, aber er ist auf einem sehr guten Niveau für die Formel 1. Er wird körperlich in der Lage sein, die nötigen Leistungen zu bringen. Mental hat er sogar Vorteile zu 2006. Er ist psychisch ausgeglichen und erholt. Und Michael brennt auf seine Aufgabe."
Frage: "Können Sie ihm denn aus ärztlicher Sicht das Okay für die Rückkehr auf die Rennstrecke geben?"
Peil: "Es müssen in den nächsten Tagen noch viele Untersuchungen gemacht werden. Auch bei Michael gab es den einen oder anderen Einschlag. Wir werden das Herz- und Kreislaufsystem checken, MRT, CT machen, Wirbelsäule untersuchen, speziell die Halswirbelsäule und den Kopf. Michael hat bislang auch immer nur gesagt: Ziel ist der Wiedereinstieg in die Formel 1. Wenn die Ergebnisse gut sind, dann kann er das packen. Ich werde mich am Ende der Untersuchungen nicht als arroganter Arzt hinstellen und sagen: Ja oder Nein. Das beurteilen wir gemeinsam."
Frage: "Könnten ihn die Schäden, die er bei seinem rätselhaften Motorradunfall im Februar erlitten hat, stoppen?"
Peil: "Bisher konnte niemand exakt darüber berichten. Das soll Michael irgendwann selbst sagen, was passiert ist. Bei solchen Unfällen bleibt immer etwas übrig, was behandelt werden muss. Das muss man bilanzieren und ins Verhältnis zu den Anforderungen in der Formel 1 setzen. Die Arbeit an der Nackenmaschine ist gut, aber entschieden, ob es sich lohnt, wird nur im Rennauto."
Auch Massa ist Peil-Kunde
Frage: "Ist sein Vorbereitungsprogramm bis zum Comeback in Valencia auch auf eine längerfristige Rückkehr in die Formel 1 über 2009 hinaus ausgelegt?"
Peil: "Das kann ich nicht beantworten. Auch ich habe erstmal ein paar Tage gebraucht, um mich vom Unfall von Felipe Massa, den wir auch betreuen, zu lösen und mich der Aufgabe Schumacher zu widmen. In der Saisonvorbereitung haben wir sonst immer sechs bis acht Wochen Zeit gehabt, jetzt gibt es nur ein komprimiertes Programm in drei Wochen."
Frage: "Was wird Michael Schumacher genau trainieren?"
Peil: "Es wird ein Programm geben, in dem Kraft, Koordination, Beweglichkeit und Ausdauer gefördert werden. Genau das soll ihn in die Lage versetzen, wieder Formel 1 zu fahren. Ihm hilft sehr, dass er auf Weltniveau Kart fährt. Und wir sind auch immer viel geklettert. Außerdem wird es Ausdauereinheiten geben, immer kombiniert mit Physiotherapie."
Frage: "Wo wird das Training stattfinden?"
Peil: "Zumeist an den Orten, wo er auch mit dem Auto trainiert. Ab sofort haben wir zwei Physiotherapeuten im Einsatz, das haben wir noch nie gemacht. Das wird eine Riesenbelastung, aber er hat sich das ja selbst ausgesucht."
Frage: "Kann der siebenmalige Weltmeister Michael Schumacher aus medizinischer Sicht so erfolgreich wie früher fahren?"
Peil: "Es gibt das System Schumacher. Er war erfolgreich, weil er nichts dem Zufall überlassen wird. Michael hat die Chance, erfolgreich zurückzukehren, wenn er dieses System wieder anwirft. Die Routine und die Erfahrung seiner 40 Jahre werden von Vorteil sein. Er ist ein Ausnahmesportler."

